Michelsberger Spaziergänge

Mitten im siebenbürgischen Hochsommer freut sich Michelsberg auf seine zahlreichen musikliebenden Gäste, welche Sonntag nachmittags um 17 Uhr zum Konzert in die schmucke, barocke Dorfkirche strömen. Genießen Sie eine Stunde Musik, umgeben von Obstgärten und einer zeitlos schönen Landschaft!

Michelsberg

Nur zehn Kilometer von Hermannstadt entfernt, ist Michelsberg eines der reizvollsten Dörfer rund um die Kulturhauptstadt 2007, Hermannstadt/Sibiu in Siebenbürgen.

Evangelische Dorfkirche und Burg
Evangelische Dorfkirche und Burg
2 Kirchenschlüssel
2 Kirchenschlüssel
Kirche zu Neujahr 2013
Kirche zu Neujahr 2013

Zahlreiche Touristen besuchen Michelsberg. Sowohl das Dorf als auch seine Burg mit der romanischen Kirche, die aus der Ansiedlungszeit der Siebenbürger Sachsen stammt,  sind zu allen Jahreszeiten lohnende Ziele. Die evangelische barocke Dorfkirche samt dem sie umgebenden Areal wurde 2011/12 aus eigenen Mitteln der Gemeinde generalsaniert. Sie erstrahlt innen und außen in neuem Glanz. Die Wiedereinweihung fand am 5. und 6. 2012 Mai statt.

Dem kulturellen Angebot widmet die Gemeinde besondere Aufmerksamkeit. Alle Ereignisse sind mit gastfreundlichen Einladungen aller Teilnehmer verbunden, so das Maisingen auf der Burg in den frühen Morgenstunden des 1. Mai oder der Gottesdienst in sächsischer Mundart zu Reformation.

Seit dem Frühjahr 2013 wird die Burg wieder von der Michelsberger Gemeinde verwaltet. Sie soll zu einem besonders attraktiven touristischen Ziel in der Region werden. Erste Schritte waren die Rodung einiger Bäume und Sträucher, um die uralte Anlage aus der Umgebung besser sichtbar zu machen. 

 

»Das ist aber schön hier! «

 »Was ist denn das für eine kleine Kapelle da oben auf dem Hügel?« Solche Fragen von Touristen lassen den Michelsberger im Handumdrehen zu Stein erstarren. Dass seine Burg so als unscheinbares Gemäuer wahrgenommen wird, empört ihn zutiefst. Man muss gar kein Einheimischer sein mit einer ellenlangen Vorfahrenliste, um das zu verstehen, denn jeder, der Michelsberg zu lieben begonnen hat, sieht die Burg als Mittelpunkt dieser kleinen Welt. Das ist sie natürlich schon allein geographisch, der kreisrunde Burgberg steht genau da, wo eigentlich das Zentrum des Dorfes wäre, nämlich in der Mitte, vom Silberbach umflossen: Unübersehbar, uralt, geschichts­behaftet, symbolisch – und eben für manche eher unscheinbar. Doch die Burg ist viel mehr als eine kleine Basilika inmitten einer verfallenen Ringmauer, durch deren kaputtes Dach es jahrhundertelang hineingeregnet hat. Die Burg ist der Stolz und Identifikationspunkt dieses nie reich gewesenen Dorfes, dessen Bewohner mangels Ackerflächen in der Vergangenheit Hut- und Korbflechter waren oder kleine Obstbauern oder einfach Arbeiter im nahen, stets wohlhabenden und später industriellen Heltau.

Wir reden hier so viel über die Burg, weil sie auch heute noch den Ort dominiert, und die vielen Neubauten der Reichen in den ehemaligen Obstplantagen können ihr nichts anhaben. Die Burg ist auch der ideale Einstieg, um Fremden zu erzählen, dass Michelsberg von einigen der ersten deutschen Auswanderern vor über 850 Jahren gegründet wurde, dass es über all die Jahrhunderte hinweg vielen heimischen Familien und vielen Sommerfrischlern lieb und teuer war, und dass es – als große Ausnahme in der kommunistischen Zeit – ein Dorf mit einer fast ausnahmslos deutsch sprechenden Bevölkerung geblieben ist – bis zur überstürzten Sachsenflucht nach der Wende.

Heute finden wieder deutsche Auswanderer ihren Weg nach Michelsberg, bald gibt es vielleicht so viele wie Sachsen. Michelsberg ist ein Ort mit Zukunft. Einst heißgeliebte Sommerfrische, ist es mit zehnminütiger Fahrtzeit von dort eine Art Nobelvorort Hermannstadts geworden, mit vielen Ferienhäusern und Villen, mittendrin aber mit einem gut erhaltenem Ortskern aus jahrhundertealten siebenbürgisch-sächsischen Bauernhäusern und der frisch renovierten Kirche. Hier zu wohnen bedeutet, wunderbare Luft genießen zu können und die Ruhe abseits des Trubels der Stadt. Hier ganz nah an den Karpaten beginnt die Wanderung schon, wenn man den Fuß vor die Haustüre setzt, und Gäste hat man eher zu viel als zu wenig, denn es gibt eine ganz einfache statistische Erhebung über die Wahrnehmung Michelsbergs, die sich im Alltag machen lässt: Der ganz normale Satz, den Fremde hier als ersten äußern, lautet meist ganz schlicht: »Das ist aber schön hier!«

(Anselm Roth)

Foto: Anselm Roth
Foto: Anselm Roth