Michelsberger Spaziergänge

Mitten im siebenbürgischen Hochsommer freut sich Michelsberg auf seine zahlreichen musikliebenden Gäste, welche Sonntag nachmittags um 17 Uhr zum Konzert in die schmucke, barocke Dorfkirche strömen. Genießen Sie eine Stunde Musik, umgeben von Obstgärten und einer zeitlos schönen Landschaft!

Mehr als nur ein Insider-Tipp im Hermannstädter Kultursommer

Als Hermannstadt 2007 Kulturhauptstadt Europas war, begann in der barocken Dorfkirche recht bescheiden eine sommerliche Konzertreihe. Bald wollten Musiker, Publikum und Gastgeber Michelsberg nicht mehr darauf verzichten und feiern seither Jahr um Jahr ein sehr gut besuchtes Musikfest: die Michelsberger Spaziergänge.

im Pfarrgarten, nach dem Konzert

An sechs aufeinanderfolgenden Sonntagen in den Monaten Juli und August findet nachmittags um 17 Uhr ein Ensemblekonzert statt, oft unter Einbeziehung der Orgel. Dieses Instrument eines anonymen Meisters stammt in seinen ältesten Teilen aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Der Ort ist eher klein und beschaulich, doch reicht der bekannte Michelsberger Horizont sehr, sehr weit. Die Bedingungen sind geradezu ideal, weswegen alle Künstler, die hier auftreten, gerne wiederkommen. Musik des Barock, traditionell ein Hauptbestandteil der Konzertreihe, wird 2019 von Elena und Paul Cristian (Kronstadt) und Klaus Philippi (Hermannstadt), von dem Ensemble Cantate Domino (Hermannstadt, Tartlau), von dem Vocalquintett Anatoly (Kronstadt) und von Flauto Dolce (Klausenburg) dargeboten.

Orgel, Singstimmen sowie Streich- und Blasinstrumente werden gleichermaßen zu hören sein. Nebst klassischer Aufführungsliteratur erklingen zudem Musikstücke folkloristischen Ursprungs, die sich nichtsdestotrotz auch für selekte Konzertprogramme eignen.

Die Michelsberger Spaziergänge verstehen sich als Kammermusik-Förderveranstaltung namentlich für ehrgeizige Musiker, deren Biografien eng mit Hermannstadt verbunden sind. Letztere sind während der Sommermonate Juli und August 2019 an drei von insgesamt sechs Konzerten beteiligt, und können, ohne Rücksichtnahme auf einschränkende Vorgaben, in Michelsberg ihre persönlichen Vorstellungen verwirklichen. Ob ihre jeweiligen Ideen vom Publikum der Michelsberger Spaziergänge begeistert aufgenommen werden, zeigen bestimmt die Erfahrungen der kommenden Wochen.

Rumänien ist das Land des alle zwei Jahre hauptsächlich in der Hauptstadt Bukarest veranstalteten George-Enescu-Festivals. Aus Rumänien gebürtige Musiker, die ihren Lebensunterhalt fern der Heimat verdienen, zählen weltweit zu den begabtesten und belastbarsten Künstlern ihres Fachs. In dem EU-Mitgliedsstaat zwischen Donau und Maramuresch einerseits und dem Schwarzen Meer und den Banater Metropolen Arad und Temeswar andererseits geschieht alle öffentlich inszenierte Musik zumeist nach staatlichem Arbeitsmuster. Im Bereich Klassik hat das Privatgeschäft freischaffender Musikinterpreten zwar einiges an Ausdauer entwickelt, bislang aber noch nicht Ausmaße erreicht, die auf eine florierende Szene schließen lassen. Selbst die eifrigsten unter den Kammermusikern Rumäniens verrichten wöchentlichen Dienst in einem Symphonieorchester oder betätigen sich als Unterrichtende an Musikschulen und -Universitäten. Einige unter ihnen halten sogar dreifacher Belastung stand: Orchestermitglied, Dozent für Instrumentalunterricht und Kammermusiker zugleich. Eine Aufgabendichte, die bisweilen auch auf einige der in Michelsberg auftretenden Künstler zutrifft.

Im Anschluss an jedes einzelne der Konzerte zur Sommerzeit lädt die Michelsberger evangelische Gemeinde in einer einmaligen Geste der Gastfreundschaft alle Anwesenden zu Kaffee und Hanklich in den Pfarrgarten. Bis zu hundert Gäste werden von Familie Henning und ihren HelferInnen großzügig bewirtet. Gespräche mit den Musikern, mit Besuchern von nah und fern bieten im Rahmen der Michelsberger Spaziergänge neben dem kulturellen auch ein gesellschaftliches Angebot von eigenem Reiz.